pm 2/97: Tolerante Einstellung – HU begrüßt Richterspruch

Mit Erleichterung hat die Humanistische Union die Einstellung des Gerichtsverfahrens gegen den ehemaligen Marburger ASTA-Vorsitzenden Stefan Mielchen wegen einer Demonstration gegen den Fuldaer Erzbischof Johannes Dyba zur Kenntnis genommen. Die Humanistische Union unterstützt Mielchens Forderung nach Toleranz gegenüber Homosexuellen, AIDS-Kranken und Frauen, die sich zu einer Abtreibung bekennen.
Intolerant ist nach Auffassung des HU-Ortsverbandes Marburg vielmehr ein Großteil der katholischen Kirche, welcher staatlichen Schulzimmern das Kreuz verordnet und gleichzeitig einen Kreuzzug gegen Menschen führt, die in dieser Gesellschaft ohnehin schon an den Rand gedrängt werden. Die Bürgerrechtsorganisation spricht sich bereits seit ihrer Gründung im Jahr 1961 für eine Trennung von Kirche und Staat aus. Dieser im Grundgesetz verankerte Grundsatz wird nach Auffassung des HU-Ortsvorsitzenden Franz-Josef Hanke in der Alltagspraxis häufig zu wenig beachtet.
Umso mehr muß nach seiner Ansicht das ebenfalls verfassungsmäßig verbriefte Demonstrationsrecht auch gegen Vertreter eines intoleranten katholischen Fundamentalismus geschützt werden.
„Was wir alle bei anderen Religionen angeprangert haben, das müssen wir auch vor der eigenen Nase kritisieren dürfen“, fordert Hanke. „Denn Demokratie ist – wie schon Rosa Luxemburg ausdrückte – auch immer die Freiheit der Andersdenkenden.“
Nach Einschätzung des HU-Vorsitzenden konnte das Gericht deshalb auch zu keinem anderen Urteil kommen als einer Einstellung des Verfahrens gegen Stefan Mielchen. Die Kritik an den erzkonservativen Einstellungen des Fuldaer Bischofs teilen nach seiner Wahrnehmung auch viele engagierte Christinnen und Christen, die den Versöhnungsgedanken der Bergpredigt ernst nehmen.
Hanke kündigte an, daß sich der Ortsverband Marburg der Humanistischen Union im Herbst mit christlichem Fundamentalismus kritisch auseinandersetzen will: „Die HU tritt ein für eine tolerante Gesellschaft, in der die Anhänger unterschiedlichster Glaubensrichtungen wie auch Agnostiker und Atheisten einander respektieren.
Kreuzzüge für das Kreuz und gegen Andersgläubige vergiften den gesellschaftlichen Frieden nachhaltig.“

Dragan Pavlovic

Über dp

Pressesprecher der HU Marburg

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