Ein Gentleman, wie er im Buche steht – Joachim Kahl feierte seinen 65. Geburtstag

„Ich war 1984 auch einer von denen, die sich für Joachim Kahl eingesetzt haben“, erklärte Prof. Dr. Armin Pfahl-Traughber. Der Kölner Faschismus-Fachmann gratulierte am Samstag (13. Mai) im Technologie- und Tagungszentrum (TTZ) dem Marburger Philosophen Dr. Dr. Joachim Kahl zum 65. Geburtstag.
Das „Café Papin“ im TTZ war vollbesetzt mit Gratulantinnen und Gratulanten. Weggefährten und Freunde des Dozenten, Bildungsreferenten und Buchautors waren ebenso erschienen wie seine Angehörigen und der Marburger Bürgermeister Dr. Franz Kahle.
In kurzen Reden würdigten Weggefährten Kahls Lebensleistung. Der Lehrer Dieter Gabrian erinnerte sich an die gemeinsame Zeit im Berufsverbote-Komitee. Kahls Einsatz gegen den „Radikalen-Erlass“ habe 1984 letztlich dazu geführt, dass der Philosoph seine Lehraufträge an der Philipps-Universität verlor.
Mit einem formvollendeten Sonett würdigte der frühere Frankfurter Hörfunk-Journalist Klaus Scheunemann seinen Freund und langjährigen Mitstreiter in der Humanistischen Union (HU). 1962 hatte Kahl in Marburg die Humanistische Studenten-Union (HSU) mitbegründet. Er fungierte nicht nur als ihr erster Bundesvorsitzender, sondern gehörte auch jahrelang dem Bundesvorstand der HU an und fungierte als deren hessischer Landessprecher.
Der Marburger Rechtsanwalt Dr. Peter Becker berichtete von einem Gespräch, das er gemeinsam mit dem Berufsverbote-Komitee mit dem damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker zum Fall des dienstenthobenen Postbeamten Herbert Bastian geführt hat. Leider sei seine Rehabilitierung zu spät gekommen, als dass er sie noch hätte genügend genießen können, bedauerte Becker.
Im Anschluss an seine kurzen Worte präsentierte der Vorsitzende der Internationalen Juristen-Vereinigung gegen Atomwaffen (IALANA) zwei musikstücke am Piano. Dabei verjazzte er das Volkslied vom „König von Thule“ und ein Musikstück von Wolfgang Amadeus Mozart.
Für die musikalische Umrahmung der Geburtstagsfeier sorgten außerdem das Laubach-Trio mit seinem „Special Guest“ Bill Sinclair am Piano sowie die Kinderlieder-Interpreten Frederik Vahle und Beate Lambert.
Den abschließenden Höhepunkt der Geburtstagsfeier bildete am Nachmittag ein kurzer Vortrag Kahls. Darin interpretierte er das Gemälde „Hegels Ferien“ des belgischen Malers René Magritte. Das 1958 entstandene surrealistische Bild zeigt einen aufgespannten regenschirm, der auf dem Griff scheinbar in der Luft schwebt. Oben, wo normalerweise die Spitze des Schirms zu sehen sein müsste, steht ein gefülltes Glas Wasser.
Kahl erläuterte, wie Magritte mit diesem Bild die Dialektik des Philosophen Friedrich Hegel verdeutlicht hat: Wasser sei für die Menschen gleichzeitig notwendiges Lebensmittel und tödliche Bedrohung. Der Plakat-Maler Magritte habe über hundert Skizzen angefertigt, bevor er mit seinem Gemälde die philosophische Auseinandersetzung mit Hegel dermaßen „meisterhaft“ ins Bild gesetzt habe.
Die philosophische Betrachtung von Bildern und Büchern ist eine typische Arbeitsweise Kahls. Der am 12. Mai 1941 in Köln geborene Autor des 1968 im Rowohlt-Verlag erschienenenStandard-Werks „Das Elend des Christentums“ hat in Köln, Bonn, Marburg, Zürich und Frankfurt Evangelische Theologie und Philosophie studiert. In beiden Fächern wurde Kahl an der Philipps-Universität promoviert.

Franz-Josef Hanke

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