Freiheit für die Tigerente! – Stoiber will Janosch „aus Kinderzimmern verbannen“

Ist die Tigerente ein Terrorist? Sind Janoschs lustige Figuren in Wirklichkeit gottlose Verführer ahnungsloser christlicher Kinder?

Das scheint zumindestens der noch amtierende bayerische Ministerpräsident Dr. Edmund Stoiber zu glauben. Sonst hätte er wohl nicht gefordert, die Figuren des berühmten Kinderbuch-Autors und Illustrators Janosch „aus den Kinderzimmern zu verbannen“.

Auslöser der Stoiberschen Kritik war ein Bild, das Janosch im Rahmen der religionskritischen Gegen-Ausstellung zum großen Trierer Konstantin-Spektakel angefertigt hatte. Unter dem Titel „Darf man über Religion lachen?“ outete sich Janosch dort als religionskritischer Geist.

Das schien Stoiber offenbar zu reichen. Wer seinem bajuwarischen Gott nebst bajuwarischem Papst nicht huldigt, der soll nach seinem Willen auch nicht in deutsche Kinderzimmer hineindürfen. Also sollen Janosch und seine Tigerente nach Stoibers Willen draußen bleiben.

Nur bitterböse Zeitgenossen würden behaupten, da sei nun ohnehin kein Platz mehr, da sich dort bereits die pädofilen Kleriker tummeln. Schließlich darf man nicht alle rechtschaffenen Geistlichen für die Sünden einiger weniger Kollegen büßen lassen!

Doch ist es sicherlich kein besonderes Zeichen von Souveränität, wenn der bayerische Noch-Ministerpräsident dem Autor des Kinderbuch-Bestsellers „Oh, wie schön ist Panama“ nur wegen dessen kirchenkritischer Haltung gleich die Tür zu den Kleinen versperren möchte.

Als Reaktion auf Stoibers Vorstoß hat Janosch die Rechte an seinen Werken der religionskritischen Giordano-Bruno-Stiftung (GBS) vermacht. Und er hat einen Offenen Brief an Stoiber verfasst. Darin bedankt sich der Kinderbuch-Autor für die große Aufmerksamkeit und Publizität dank der Stoiberschen Attacke. Und er weist den bayerischen Landesvater im Vorruhestand vorsichtig darauf hin, dass die Tigerente und andere Janosch-Gestalten sich längst auch in bayerischen Schulbüchern tummeln.

„Oh, wie schön ist Panama!“ Hätte doch Janosch das Traumland des kleinen Bären und der Tigerente nicht nach Mittelamerika verlegt, sondern sie statt nach Bananenduft nach Kalbshaxn schmachten lassen! Sicherlich hätte Stoiber nichts gesagt, wenn Janosch seine Figuren unter dem Kreuz kniend in katholische Kirchen hineingezeichnet hätte und als Titel seines Werks die Aussage gewählt hätte „Oh, wie schön ist Bayern!“

Franz-Josef Hanke

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

*