Eiszeit in der Ökumene? – 12. Marburger Ökumene-Gespräch am 23. Januar 2010

„Bei den meisten ist die Ökumene kein Thema“, meint Karl Böttner von der Evangelischen Allianz. Beim 12. Marburger Ökumene-Gespräch am Samstag (23. Januar) hingegen wird das Thema „Neuer Konfessionalismus – Eiszeit in der Ökumene“ im Mittelpunkt stehen. Diskutieren darüber werden die neue EKD-Ratspräsidentin Margot Käßmann aus Hannover, der katholische Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann aus Speyer und der Journalist Matthias Drobinski von der Süddeutschen Zeitung (SZ) in München.

In den Gemeinden werde Ökumene längst praktiziert, berichteten der katholische Pfarrer Albert Köchling, der emeritierte Theologieprofessor Wolfgang Bienert und Böttner übereinstimmend. Insbesondere junge Leute schauten nicht danach, welche Konfession die bevorzugte Jugend- oder Freizeitgruppe und die Gemeinde habe.

Vielmehr richteten sie ihre Entscheidung eher am Freundeskreis oder an praktischen Erwägungen wie Nähe und Gottesdienstzeiten aus.Eisig werde das Klima im Umgang der Konfessionen nur, wenn man auf höhere Ebenen der Kirchen-Hierarchie vorstoße, meinte Böttner. Auch der frühere Pfarrer der katholischen Pfarrei Sankt Peter und Paul meinte, dass selbst die Austeilung der Kommunion an Protestanten in vielen katholischen Gemeinden kein problem darstelle, solange niemand daran Anstoß nehme.

Bienert berichtete indes, dass die Lehrmeinungen des amtierenden Papstes Benedikt XVI. zur Ökumene bei evangelischen Christen einiges Befremden ausgelöst haben. Nach wie vor betrachtet Rom die Protestanten als fehlgeleitete Abtrünnige, die seiner Ansicht nach in den Schoß der katholischen Kirche zurückkehren sollten.

Zusammen mit Köchling ist Bienert von Anfang an mit dabei in der Vorbereitungsgruppe für die „Marburger Ökumene-Gespräche“. Das diesem Vorbereitungskreis kein Vertreter einer laizistischen Position angehört, liegt nach seinen Angaben allein daran, dass noch niemand aus dieser Richtung Interesse an einer Mitwirkung geäußert habe. „Der Vorbereitungskreis ist ein offenes Gremium“, erklärte der Theologe.

Bereits seit 1987 werden die „Marburger Ökumene-Gespräche“ von der Stadt Marburg und der Philipps-Universität gemeinsam mit den beiden großen christlichen Kirchen durchgeführt. Damit knüpfen Stadt und Universität an das Marburger Religionsgespräch zwischen den Reformatoren Martin Luther und Ulrich Zwingli an, zu dem Landgraf Philipp der Großmütige von Hessen im Jahr 1529 auf sein Schloss eingeladen hatte.

Den Anstoß zum ersten Ökumene-Gespräch gegeben hätten der damalige Oberbürgermeister Dr. Hanno Drechsler und die Kommunalpolitikerin Dr. Christa Czempiel, berichtete Oberbürgermeister Egon Vaupel. Inzwischen wird die Veranstaltung regelmäßig in zweijährigem Abstand in der Aula der Alten Universität durchgeführt.

Das mittlerweile zwölfte Ökumene-Gespräch beginnt am Samstag (23. Januar) um 9 Uhr. Es endet nach dem Mittagessen und einer Arbeitsgruppen-Phase mit einem Ökumenischen Gottesdienst in der benahbarten Universitätskirche.

Für Vaupel verkörpert das „Marburger Ökumene-Gespräch“ die tolerante und liberale Grundhaltung, die er in seiner Stadt bewahren will. „Trotz unterschiedlicher Überzeugungen in gegenseitigem Respekt miteinander umzugehen“, ist für den Oberbürgermeister ein wesentliches Charakteristikum Marburgs und zugleich auch Verpflichtung für eine lebenswerte Zukunft.

Franz-Josef Hanke

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