Den Menschenrechten verpflichtet – Hans-Christof Graf von Sponeck wurde Ehrendoktor der Philipps-Universität

„Juckende Füße“ nannte Hans-Christof Graf von Sponeck als Grund für seine Bewerbung als Mitarbeiter der Vereinten Nationen (UNO). Nach 32 Jahren in Diensten der internationalen Organisation ist der deutsche Diplomat im Jahr 2000 aus Protest gegen die verheerende Wirkung der UN-Sanktionen gegen den Irak von seiner Position als „Deputy General Secretary“ der UNO zurückgetreten. In Anerkennung seiner wissenschaftlichen Verdienste wie auch seinen geradlinigen Engagements für die Menschenrechte hat ihm der Fachbereich Gesellschaftswissenschaften und Philosophie der Philipps-Universität am Donnerstag (25. März) die Würde eines Doktors ehrenhalber verliehen.

Angeregt hatte diese Ehrung das Zentrum für Konfliktforschung (ZfK) der Philipps-Universität, wo Sponeck als Lehrbeauftragter tätig ist. Ihm und seinem hervorragenden Ruf bei internationalen Organisationen verdanke das Zentrum Hunderte von Praktikumsplätzen für seine Studierenden, berichtete ZfK-Geschäftsführer Prof. Dr. Mathias Bös.

Von 1968 bis 2000 war Sponeck in verschiedenen Funktionen bei der UNO tätig. Seine Arbeit führte ihn nach Ghana, in die Türkei, nach Pakistan und Indien.

Derart vielfältige internationale Erfahrungen sollten eigentlich Voraussetzungen für Ämter wie das eines Außenministers sein, forderte Laudator Andreas Zumach mit einem verschmitzten Seitenhieb auf Bundesaußenminister Guido Westerwelle. Sponeck sei nicht nur ein exzellenter Kenner der internationalen Politik, sondern auch der unterschiedlichsten Kulturen in dem von ihm besuchten Ländern.

Seit 1988 arbeitet Zumach als Korrespondent der Berliner Tageszeitung (Taz) und anderer Medien in Genf. Vorher hatte er als Geschäftsführer der Aktion Sühnezeichen – internationale Friedensdienste (ASf) einige Zeit lang bundesweite Aktionen der deutschen Friedensbewegung koordiniert.

Bei seiner journalistischen Arbeit sei er immer wieder auf Sponecks Namen gestoßen, berichtete Zumach. Alle hätten von ihm immer mit höchster Anerkennung und gar Bewunderung gesprochen.

Für ein Buchprojekt habe er Sponeck dann persönlich aufgesucht. Um die notwendigen Interviews in Ruhe durchzuführen, habe er sich bei ihm 14 Tage lang einquartiert. Seither sei er mit ihm befreundet.

Sponeck sei einer von nur drei hochrangigen Mitarbeitern der UNO, die aus Protest gegen die Sanktionspolitik zurückgetreten sind. Damit habe er Geradlinigkeit und Rückgrat bewisen.

Doch er habe nicht einfach demissioniert, sondern danach mit zahlreichen Aktivitäten an seinem Thema weitergearbeitet. So habe er ein wichtiges Buch zur Wirkung von Sanktionen auf die betroffenen Länder, ihre Bevölkerung und die dortigen Regimes verfasst, das die Sanktionspolitik scharf auseinandernimmt.

Sponecks Lehrtätigkeit in Marburg sei nur ein kleiner Teil seines Einsatzes für internationale Verständigung und Frieden. Nach wie vor sei Sponeck in zahlreichen internationalen Organisationen aktiv. Vermutlich auch mit eigenen Mitteln organisiere er ein Stipendien-Programm für Studien-Aufenthalte irakischer Studierender in Deutschland.

Die UN-Charta und die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte habe Sponeck immer zur Grundlage seines Handelns gemacht. Niemals hat Zumach seinen Freund als zynisch oder taktierend erlebt, obwohl ihm alle entsprechenden Methoden durchaus vertraut seien.

In einer sehr bewegenden Dankesrede begründete Sponeck anschließend seine Haltung. Als Sechsjähriger habe er 1945 mit seiner Mutter den elterlichen Wohnsitz verlassen und flüchten müssen. In Würzburg seien sie dann von einem Flieger-Angriff überrascht worden.

„Als wir nach Stunden aus dem Keller herauskamen, stand ringsum nichts mehr“, berichtete er sichtlich erschüttert. Vermutlich schon damals habe er sich geschworen, für Frieden zwischen den Völkern einzutreten.

Die UNO sei ihm als geeignete Möglichkeit zur Verwirklichung seines Anliegens erschienen. So habe er sich nach Abschluss seines Studiums in New York bei der Welt-Organisation beworben.

Meist habe er sich an seinen Arbeitsorten überall in der Welt wohlgefühlt, berichtete Sponeck. Lediglich in New York und Genf habe es ihm nicht besonders gefallen.

Kofi Anan habe ihm daraufhin einen interessanten Posten versprochen. So kam er in den Irak.

Dort habe er dann aber mit dem ersten „Golf-Krieg“ wieder das miterleben müssen, was er seit seiner Kindheit beseitigen wollte. Vor allem das Leid der Menschen sei ihm sehr nahegegangen.

Das Programm „Oil for Food“ habe ihnen nicht geholfen. „Mit 51 Cent pro Tag und Person kann man nicht helfen“, erklärte Sponeck. Zudem habe die irakische Regierung das gesamte Programm einschließlich seines Gehalts mit Öl bezahlt, berichtete er.

Leider werde das in den internationalen Medien kaum berichtet. Mit seiner Kritik an der Sanktionspolitik habe er sich zudem bei vielen Entscheidungsträgern innerhalb der Vereinten Nationen unbeliebt gemacht.
Lediglich Generalsekretär Anan habe ihn immer unterstützt.

„Die Welt ist schön“, erklärte Sponeck zum Abschluss. Allerdings müssten wir sie schützen und bewahren. Deswegen wende er sich mit aller Kraft gegen Kriege und eine – im Ergebnis ebenso mörderische – Sanktionspolitik.

Franz-Josef Hanke

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