Für das Abschalten der Atomkraftwerke – Stark besuchte Demo bekräftigte Bürgerwillen

Auch an der zweiten Marburger Mahnwachen-Demonstration für den Ausstieg aus der Atomkraftbeteiligten sich am Montag (21. März) wieder gut 1.000 Menschen. Ausgangspunkt der vom Anti-Atom-Plenum Marburg (AAM) organisierten Demonstration war wieder der Elisabeth-Blochmann-Platz.

Zunächst gab Merle Drusenbaum bekannt, dass zur gleichen Stunde bundesweit in rund 640 Städten ähnliche Protestveranstaltungen stattfanden. Leider konnten viele Menschen, die über den ganzen Sandplatz verteilt warteten, sie jenseits eines 10-Meter-Radius kaum mehr verstehen, da die improvisierte Verstärkeranlage einfach zu klein ausgelegt war.

Ein eindrucksvoller „Lindwurm“ aus vielen hundert Menschen jeden Alters mit zahlreichen Transparenten und selbstgemalten Protestschildern schob sich danach durch die Straßen der Oberstadt zum Kundgebungsort vor dem Rathaus. Gunter Kramp vom AAM hielt – wie in der Vorwoche – vom Marktbrunnen aus eine Ansprache an die versammelten Menschen.

Zunächst bedauerte er, dass die Informationspolitik der japanischen Regierung zu der Nuklear-Katastrophe von Fukushima so miserabel ist. Das Ausmaß der bereits eingetretenen Verstrahlungen könne man deswegen bislang kaum ermessen. Auch die Opfer der Erdbeben und des Tsunamis, die wegen des Organisationsversagens der japanischen Regierung unter Mangel an Heizung, Benzin und Nahrungsmitteln litten, sollten darüber nicht vergessen werden.

Kramp rief zu einer Schweigeminute auf. Auf die Melodie des hebräischen Volkslieds „Hevenu schalom alejchem“ sangen die Versammelten danach zur Querflötenbegleitung „Wir wollen keine Atomkraft“.

Im Folgenden sagte Kramp, die Behauptungen, dass die Lage in Fukushima stabil sei, müsse man als verlogen zurückweisen. Zutreffender könnte man sagen, dass die Situation dort „konstant katastrophal“ sei.

Die mediale Aufmerksamkeit lasse bereits etwas nach, beklagte der Aktivist. Die Befürworter der Atomenergie kämen bereits wieder „aus ihren Löchern“ und verkündeten erneut, die deutschen AKWs seien die sichersten der Welt.

Das sei komisch, hätten doch die Japaner vor Fukushima das gleiche von ihren Atomkraftwerkengesagt. Die Behauptung der Bundeskanzlerin Angela Merkel, sie sehe seit der japanischen Nuklear-Katastrophe eine „neue Lage“, solle nur die Verantwortungslosigkeit der bisherigen Regierungspolitik mitsamt der Laufzeitverlängerung übertünchen.

Mit der „Beruhigungspille“ Moratorium, das ja genau genommen keines sei, wolle die Regierung nun solange lavieren, bis die anstehenden Landtagswahlen überstanden seien. Diese taktischen Manöver durchschauten zum Glück viele Bundesbürger. Es gelte indes, den Atom-Lobbyisten Stefan Mappus in Baden-Württemberg aus der Regierung zu werfen.

Das billige Gerede, so etwas wie die Atom-Katastrophe in Fukushima könne in Deutschland nicht eintreten, da „wir keine Tsunamis oder Erdbeben“ hätten, sei zurückzuweisen. Die vorangegangenen Atom-Unfälle in Harrisburg und Tschernobyl seien schließlich auch ohne jede Beteiligung von Naturkatastrophen eingetreten. Technisches oder menschliches Versagen reiche dafür vollkommen aus.

Kramp verwies auf den Bericht des Fernseh-Magazins „Kontraste“ von Donnerstag (17. März), der belegt habe, dass die Sicherheitsvorkehrungen der deutschen AKW keineswegs „auf dem Stand von Wissenschaft und Technik“ seien, wie es das Atomgesetz eigentlich fordere. Er sei Maschinenbau-Ingenieur. Je mehr er über die Atomtechnologie gelernt habe, desto mehr habe er sich von deren Lug und Trug abgestoßen gefühlt.

Wenn Merkels Laufzeitverlängerungs-Gesetz bestehen bliebe, bekäme Deutschland wegen der Übertragbarkeit der „Restlaufzeiten“ Schrottreaktoren bis ins Jahr 2050. Der Atom-Ausstieg sei aber schon jetzt ohne wirklichen Wohlstandsverzicht machbar.

Man könne durchaus ganz auf erneuerbare Energien setzen. Entscheidend sei, ob dem „Big Money“ der Atomkonzerne genug Druck aus der Anti-Atom-Bewegung entgegengesetzt werde.

Vicky Student von der Greenpeace-Gruppe Marburg rief im Anschluss dazu auf, sich bei der am Sonntag (27. März) anstehenden Kommunalwahl für Windkraftanlagen auf den Lahnbergen einzusetzen. Der Standort sei geeignet. Damit kämen die Stadtwerke Marburg (SWM) dem Ziel ein wesentliches Stück näher, ganz ohne Zukauf von Atomstrom auszukommen.

Drusenbaum warb abschließend dafür, am Samstag (26. März) auf einer der vier bundesdeutschen Großdemonstrationen für den sofortigen Atomausstieg dabeizusein. Busfahrkarten für die Demo in Köln könne man auf der Website des Anti-Atom-Plenums Marburg online buchen.

Am Montag (28. März) gebe es dann erneut einen „Montagsspaziergang“. Treffpunkt sei am gleichen Ort zur selben Zeit.

Unter Gesängen zogen Hunderte Demo-Teilnehmer dann gemeinsam durch die Oberstadt und die Universitätsstraße zurück zum Elisabeth-Blochmann-Platz. Laut einer Pressemitteilung von www.ausgestrahlt.de haben sich am Abend des kalendarischen Frühlingsanfangs unter dem Motto „Fukushima ist überall – Atomausstieg jetzt!“ bundesweit 141.612 Menschen in 726 Orten an Mahnwachen gegen den Weiterbetrieb der Atomkraftwerke beteiligt.

Jürgen Neitzel

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