Moratorium ohne Moriturium – 14. Marburger Montagsspaziergang gegen Atomkraft

„Abschalten, und zwar jetzt und zwar alle und für immer!“ Zum unverwechselbaren Repertoire der Parolen beim Marburger Montagsspaziergang gegen Atomkraft gehört mittlerweile vor allem diese Zeile aus einem Rap der Marburger Kinderliedermacherin Beate Lambert.

Auch am Montag (20. Juni) zogen wieder Demonstrierende vom Elisabeth-Blochmann-Platz durch die innenstadt zum Marktplatz, um mit Sprüchen und Liedern ihrer Forderung nach einem sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie Nachdruck zu verleihen. Mehr als 120 Demonstrierende strömten auf den Marktplatz, wo die Organisatoren vom Anti-Atom-Plenum Marburg (AAM) diesmal eine Bühne am gegenüberliegenden Ende des Platzes nutzten. Für die Freilichtaufführungen der Komödie „Don Juan“ von Moliere hatte das Hessische Landestheater Marburg sie an der Talseite des Marktplatzes direkt vor dem Renaissance-Rathaus errichtet.

Der Gewerkschafter-Chor „PoliTöne“ sang drei wunderbare Lieder zum Thema Atomkraft. Besonders gelungen war seine Interpretation einer Umtextung der Verhaltensregeln bei einer Atomkatastrophe durch den Liedermacher Walter Mossmann.

Danach forderte Gunter Kramp als Vertreter des AAM die Anwesenden auf, sich in einem „Open Space“ zur weiteren Vorgehensweise zu äußern. Dafür hatten die Organisatoren auf dem Marktplatz sechs runde Stehtische aufgestellt, denen jeweils eigene Themen zugewiesen waren.

Anregungen und Statements konnten Interessierte dort direkt auf die jeweilige Papiertischdecke schreiben, die AAM-Aktive hinterher einsammelten, um sie abzufotografieren und auszuwerten. An jedem Tisch wartete jemand vom Organisationsteam auf Mitdiskutierende.

So sammelte das AAM eine Reihe von Vorschlägen und Stellungnahmen ein, die teilweise auch umgesetzt werden können. Schließlich war es den meisten Anwesenden klar, dass die wöchentlichen Montagsspaziergänge nicht über den Sommer hinweg weitergehen können.

Allerdings soll auch weiterhin jede Woche um 18 Uhr eine Mahnwache gegen Atomkraft stattfinden. Dann aber findet sie auf dem Marktplatz statt.

Zum Termin vier Monate nach der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima will die Humanistische Union Marburg (HU) im Anschluss an die Mahnwache auf dem Marktplatz ein kleines Kulturprogramm aufführen. Zentraler Bestandteil ist dabei der atomkritische Sketch „Der Sauberlehrling“, der zum Tag der Arbeit am Sonntag (1. Mai) bereits auf dem Elisabeth-Blochmann-Platz für einige Lacher gesorgt hatte.

Über weitere Veranstaltungen will das AAM Interessierte mit Hilfe seines Newsletters informieren. Nach einer Sommerpause soll die Anti-Atom-Bewegung in Marburg nämlich auf jeden Fall wieder aktiv werden, damit aus dem – von Bundeskanzlerin Angela Merkel verkündeten – Moratorium kein Moriturium wird.

Franz-Josef Hanke

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