Satire trumpft gegen Atomkraft – Ethik-Theater-Trio der HU Marburg verblüffte mit Können

Atom-Satire

Das famose Straßentheater-Trio der HU Marburg (Foto: Jürgen Neitzel)

Die geborenen Aktivisten kümmert der Mainstream nicht. Während die Demonstrationszüge gegen die Atomkraftwerke wegen der Sommerpause vorerst eingestellt wurden, drängte es das Straßentheater-Trio der Humanistischen Union Marburg am Montag (11. Juli) doch noch einmal an die Öffentlichkeit.

Vor dem Marktbrunnen gegenüber dem Marburger Rathaus zeichneten Jochen Schäfer, Matthias Schulz und Franz-Josef Hanke vor Zufallspublikum aus Passanten eine YouTube-taugliche Version ihrer atomkritischen Mini-Show auf. Bemerkenswert: zwei der drei famos auftretenden Amateur-Schauspieler – Schäfer und Hanke – sind blind. Ihrem leidenschaftlichen Theaterspiel merkte man das kaum an, so raumgreifend setzten sie ihre Stimmen ein.

Die Aufführung begann mit Schulz, der Erich Kästners Satire „Die Entwicklung der Menschheit“ aus dem Jahr 1932 vortrug. Ironisch nimmt der Autor darin das Zurückbleiben der Bildung hinter der technischen Entwicklung der Menschen aufs Korn.

Näher zum eigentlichen Thema griff Schäfer in dem Lied „Burli“ dann die realen Gefahren atomarer Strahlen auf. Der Song der Ersten Allgemeinen Verunsicherung (EAV) aus Wien entstand in zeitlicher Nähe zur Tschernobyl-Katastrophe.

Satirisch wird die Missbildung von Neugeborenen aufgrund ihrer Strahlungsexposition zum Schreckensbild ausgemalt. Man weiß nicht, ob man noch lachen mag oder ein Kloß im Hals steckenbleibt bei diesem bitteren Spott.

Höhepunkt der Aufführung war der eigens entwickelte Sketch Der Sauberleerling. Locker angelehnt an das Warngedicht „Der Zauberlehrling“ von Johann Wolfgang von Goethe wird die mangelnde Beherrschbarkeit der Atomkraftwerke beschworen. Das Beispiel Fukushimas gibt dazu den Nachdruck.

Bei der Mai-Feier des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) war das Stück schon einmal vor großem Publikum auf dem Elisabeth-Blochmann-Platz gezeigt worden. Diesmal nur vor einer Handvoll Zuschauer steigerten die drei Amateur-Schauspieler indes noch ihre Textsicherheit und Rollenpräsenz.

Passanten blieben stehen, um sich den stimmgewaltigen Vortrag der Satire nicht entgehen zu lassen. „Wir werden nicht mit dem Leben bezahlen, dass andere vor Gier glücklich strahlen“, bekräftigte Schäfer den eigenen Standpunkt.

Auch wenn die Montagsspaziergänge wegen der Sommerferien zum Erliegen gekommen seien, dürfe man mit dem Kampf gegen die AKW-Dummheit nicht nachlassen, meinte Hanke abschließend. Das Videomaterial wurde bereits am Dienstag (12. Juli) fertig geschnitten und auf YouTube platziert.

Jürgen Neitzel

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