Sarrazin for präsident – Was Bild wirklich will! – Über die Hetze aus der ganz rechten Ecke

Herr Christian Wulff ist nicht der erste Bundespräsident, der auf Grund seines Verhalt­ens als Politiker für dieses Amt als nicht geeignet anzusehen war. So war z.B. Herr Karl Carstens ein Bundespräsident mit Nazi-Vergangenheit. Dass solche Perso­nen immer wieder höchste Ämter im bundesrepublikanischen Staat erlangen können, ist nicht verwunderlich. Herr Bundespräsident Christian Wulff ist von Personen in sein Amt gehievt worden, die sich in der Regel nicht anders als er selbst gebären.

Die Wahl des Bundespräsidenten erfolgt von der Bundesversammlung. Diese wird ausschließlich für die Wahl des Staatsoberhauptes der Bundesrepublik Deutsch­land gebildet. Sie besteht aus allen Mitgliedern des deutschen Bundestages sowie ei­ner grundsätzlich gleichen Anzahl von Vertretern der Bundesländer, die von den Landta­gen gewählt werden. Der Bundesversammlung gehören also die aus diesen Be­reichen stammenden Politikerinnen und Politiker an. Sie stehen nicht im Verdacht, sich eifrig für Transparenz im Verhältnis zwischen Politik und Wirtschaft sowie gegen Korruptio­n einzusetzen.

Das Verhalten des Herrn Christian Wulff als Ministerpräsident des Landes Nieder­sachsen und jetzt als Bundespräsident entspricht dem Verhalten derjenigen Personen, die ihn gewählt haben. Deswegen will auch SPD-Chef Sigmar Gabriel den Rücktritt des Herrn Christian Wulff nicht, weil er ihn für genauso nett wie sich selbst hält.

Viel spannender ist die peinliche Frage, die offenbar öffentlich niemand stellen möchte, warum ausgerechnet die rechte Springerpresse und ihr Gefolge so viel Aus­dauer ans Werk legt, um Herrn Christian Wulff aus seinem Amt zu entfernen. Die rechte Journaille kämpft Arm in Arm, also ganz entgegen ihren sonstigen Gepflogen­heiten solidarisch gegen die Person des Herrn Christian Wulff als Bundespräsident. Von welchem Motiv wird also die Bildredaktion, die ansonsten mit Aufklärung und Pressefreiheit nichts zu tun hat, getrieben?

Die Antwort auf diese Frage war nicht leicht zu finden. Dennoch dürften sich hinter den Bestrebungen der rechten Journaille nationalistische, rassistische und ausländer­feindliche Motive verbergen.

Es war nämlich Herr Bundespräsident Christian Wulff, der in seiner Rede zum 20. Jah­restag der deutschen Einheit auf der zentralen Einheitsfeier in Bremen die Deut­schen dazu aufrief, Einwanderer als Bereicherung zu begrüßen. In seiner Rede vor mehr als 1.400 geladenen Gästen soll er gesagt haben, der Islam gehöre zu Deutsch­land (Ta­gesspiegel vom 03.10.2010). Prompt meldete dazu bild.de, dass sich Bürger bei Christian Wulff beschweren. Die Titelzeile lautete „Warum hofieren Sie den Islam so, Herr Präsident?“ In dem Artikel ist von wütenden Bürgern die Rede.

Am 05.10.2010 legte bild.de nach. Sie veröffentlichte, wie die Deutschen denken. Angeblich sollen 66 % der Deutschen gesagt haben, dass Herr Christian Wulff mit seiner giftigen Aussage zum Islam nicht recht habe. 83 % seien sogar der Mei­nung, „dass wir ein Land mit christlicher Kultur sind und Muslime sich dieser besser anpas­sen müssen.“

Dies sind meiner Meinung nach die Hintergründe der massiven Attacken auf das Amt eines untauglichen Bundespräsidenten.

Die Fakten liegen anschaulich auf dem Tisch. Mit dem ohnehin von der Bundesver­sammlung verschandelten Ansehen des Amtes des Bundespräsidenten hat all dies nichts zu tun. Es geht auch nicht um die Pressefreiheit, die es in dieser Republik angesichts der weit voran geschrittenen Konzentration der Pressekonzerne schon lange nicht mehr gibt.

Nach dem Rücktritt des Herrn Christian Wulff vom Amt des Bundespräsidenten wird die Bildredaktion mutmaßlich Herrn Thilo Sarrazin als Nachfolger vorschlagen. So ergibt die heuchlerische Hetze aus der ganz rechten Ecke wenigsten einen Sinn.

Tronje Döhmer

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