pm 8/15: Neugeborene nicht in Massenunterkünfte! – HU Marburg fordert besseren Gesundheitsschutz für Flüchtlinge

Einen konsequenten Gesundheitsschutz für Flüchtlinge fordert die Humanistische Union (HU). Insbesondere traumatisierte Frauen, Schwangere und Neugeborene müssen aus den Massenunterkünften heraus in kleinere Einheiten verlegt werden. Diese Forderung richtet die HU Marburg an das – für alle Erstaufnahmeeinrichtungen in Hessen zustängige – Regierungspräsidium Gießen.

Wiederholt waren in Marburg Neugeborene wenige Stunden nach der Entbindung bereits in die Massenunterkunft gebracht worden. Angesichts der noch fehlenden Immunkompetenz der Säuglinge hält die HU die Unterbringung in einem Zelt oder in einer Halle zusammen mit mehr als 120 anderen Personen für lebensgefährlich.

Deshalb müsse das RP generelle Regelungen zur Unterbringung Neugeborener treffen. Acht Wochen lang sollten sie nach Ansicht der HU durch eine individuelle Unterbringung möglichst allein mit der Mutter oder der Familie vor der Ansteckungsgefahr geschützt werden.

Auch traumatisierte Menschen müssten individuell untergebracht werden, wünscht sich die HU. Vor allem Vergewaltigungsopfern sei ein Aufenthalt in gemischtgeschlechtlich belegten Massenquartieren nicht zuzumuten.

Möglichst rasch sollte das Land Hessen alle Flüchtlinge mit einer Krankenkarte ausstatten. Nach Informationen der HU behandeln viele Ärzte Flüchtlinge schlecht, da sie trotz einer Kostenübernahmeerklärung zu lange auf die Abrechnung warten müssten. Auch wenn dieses Verhalten nicht gerade für die betreffenden Ärzte spreche, sei die Ausstattung der Geflüchteten mit Krankenkarten eine pragmatische Lösung, die zudem den Verwaltungsaufwand deutlich begrenze.

Insgesamt hat das RP nach Beobachtungen der HU Marburg ein erfreuliches Engagement bei der Versorgung von Flüchtlingen gezeigt. Die große Zahl der Menschen, die nach Hessen gekommen sind und weiterhin kommen, stelle die Bediensteten dort vor schwierige Aufgaben. Für ihren persönlichen Einsatz dankt die HU Marburg allen Beteiligten ausdrücklich.

Allerdings gebe es auch im insgesamt vorbildlich ausgestatteten Camp in Marburg-Cappel Verbesserungsbedarf. Ausdrücklich warnte die HU davor, das Engagement ehrenamtlicher Helfer als „Einmischung“ zu diskreditieren. Leider sei dergleichen in Marburg jedoch bereits wiederholt vorgekommen, beklagt die HU.

„Ohne das soziale Engagement hilfsbereiter Bürgerinnen und Bürger wird Deutschland diese große Aufgabe nicht bewältigen“, erklärte der mittelhessische HU-Regionalvorsitzende Franz-Josef Hanke abschließend. „Notwendig ist allerdings auch eine strikte Rüstungskontrolle, um Fluchtursachen direkt dort zu bekämpfen, wo die Bundesregierung selbst Verantwortung trägt.“

Dragan Pavlovic

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