Ein Fest für Freiheit und Demokratie – Gedanken zum 175. Geburtstag des Hambacher Fests

„Jene Hambacher Tage waren der letzte Termin, den die Göttin der Freyheit uns gewährte“, schrieb der Dichter Heinrich Heine. Beim „Hambacher Fest“ vom 27. bis zum 30. Mai 1832 haben sich rund 30.000 Menschen auf dem Hambacher Schloss bei Neustadt an der Weinstraße versammelt. 175 Jahre später sollten sich die Deutschen dieser demokratischen Tradition wieder entsinnen.

Einige Paralellitäten zwischen der damaligen Situation in der Pfalz und der heutigen in der Bundesrepublik sind augenscheinlich: Nachdem die zuvor französische Pfalz vom Wiener Kongress 1816 dem Königreich Bayern zugeordnet worden war, wurden die Bürgerrechte dort Schritt für Schritt immer weiter eingeschränkt. Eine strenge Zensur und hohe Abgaben quälten die freiheitsliebende Bevölkerung. In dieser Situation wurde 1830 der „Deutsche Preß und Vaterlandsverein“ gegründet.

Meinungs- und Pressefreiheit, Religionsfreiheit, bürgerliche Freiheitsrechte und Volkssouveränität forderten die Teilnehmer dieses „Volksfests“ in der Pfalz. Ihre Trikolore in Schwarz, Rot und Gold ist das Vorbild der heutigen deutschen Nationalflagge. Das Hambacher Fest gilt als „Wiege der deutschen Demokratie“.

Mit harten Bandagen unterdrückte die Obrigkeit diese Revolution. Zahlreiche Demokraten mussten ins Exil fliehen. Der „Frankfurter Wachen-Sturm“ 1833 wurde blutig niedergeschlagen. Auch die Paulskirchen-Versammlung von 1848 lief nach anfänglicher Begeisterung der Bevölkerung dank der geschickten Gegenmaßnahmen des Reichskanzlers Otto von Bismarck bald ins Leere.

Ein Rückzug ins Private war die Folge. Diese frustrierte Massenbewegung brachte bald schon den „Biedermeier“ hervor. Zu dieser Zeit konnten freiere Geister in der verstaubten Atmosphäre gediegener Kleinbürgerlichkeit kaum noch atmen.

Bei seiner Eröffnungsrede zum 175. Jahrestag des Hambacher Fests hat Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker am Samstag (26. Mai) vor einer Einschränkung der Freiheitsrechte gewarnt: „Den Schutz des freien Bürgers sicherzustellen, ist eine große Verantwortung, der wir aber nur gerecht werden können, wenn die Freiheit nicht um ihres eigenen Schutzes willen unangemessen eingeengt wird. Auf das rechte Maß kommt es an.“

Es ist eine altbekannte Wahrheit, dass Demokratie immer wieder neu erstritten werden muss. Freiheit muss erkämpft und behauptet werden. Gerade angesichts der jüngsten Einschüchterungsversuche gegen Kritiker des G8-Gipfels in Heiligendamm und angesichts des Generalangriffs auf die Freiheitsrechte durch Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble scheint dieser Kampf heute nötiger denn je zu sein.

Franz-Josef Hanke

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