Negative Religionsfreiheit oder positive Gedankenfreiheit? – Zum Streit über Kreationisten an hessischen Schulen

Ein heftiger Streit ist über die Pressemitteilung der Humanistischen Union Hessen vom Donnerstag (12. Oktober) entbrannt. Unter dem Titel „Finsteres Mittelalter an hessischen Schulen?“ hatte der HU-Landessprecher Franz-Josef Hanke darin gefordert, die biblische Schöpfungsgeschichte aus dem Biologie-Unterricht an staatlichen Schulen zu verbannen. Kritik an seiner Äußerung kam auch aus Kreisen, die der HU durchaus nahestehen.
Das Internet-Radio „Ohrfunk“ behandelt diese Debatte in einem Hörfunk-Beitrag. Darin interviewt Moderator Jens Bertrams den hessischen HU-Landessprecher. Die Ohrfunk-Sendung „Update“ wird am Montag (16. Oktober) um 19 Uhr ausgestrahlt und am Dienstag (17. Oktober) um 11 Uhr wiederholt.
Im Internet-Blog von Jens Bertrams ist darüber hinaus eine lebhafte Debatte über die Frage entbrannt, ob Schülerinnen und Schüler nicht über den „Kreationismus“ und andere religiöse Themen informiert werden müssen. Auch in einer Mailingliste der HU war es hier zu einer Diskussion gekommen, die den Darwinismus als rpoblematische Position in Frage gestellt hat.
Der sogenannte „Sozial-Darwinismus“ ist ein Missbrauch der Evolutionstheorie von Charles Darwin. Während Darwin die Entwicklung der Lebewesen beschrieben und eine Erklärung für ihre Ausformung von den Ursprüngen bis zu ihrer heutigen Gestalt formuliert hat, begründen die sogenannten „Sozial-Darwinisten“ unethisches Verhalten damit, dass die Natur angeblich ein „Recht des Stärkeren“ kenne, dem nicht zuwidergehandelt werden dürfe. Schlimmste Abwandlung dieser Position war der Nationalsozialismus mit seinem mörderischen Rassen-Wahn.
Dagegen erklärt der Entdecker der modernen Genetik, dass seiner Auffassung nach nur der gesamte Gen-Pool aller „gesunden“ und „kranken“ Gene gemeinsam die künftige Weiterentwicklung des Lebens garantieren könne. Erwin Chargaff hat deswegen ausdrücklich die Rücksicht auf Kranke und Behinderte gefordert.
Ein weiterer Punkt in der Debatte um „Kreationismus-Unterricht“ an hessischen Schulen ist die Frage, wie die Indrucklegung eines Lehrbuchs finanziert worden ist, das an keiner deutschen Schule zugelassen ist. Dahinter vermuten Kritiker Gelder US-amerikanischer Fernseh-Prediger, die damit die Durchsetzung ihres religiösen „Kreuzzugs“ gegen Andersgläubige vorantreiben wollen. Der Krieg gegen islamische Staaten wie den Irak oder vielleicht auch bald den Iran wird religiös überhöht, obwohl allein die Gier nach Öl ihn vorantreibt.
Wichtig war bei der Presseerklärung jedoch vor allem die grundgesetzlich garantierte Religionsfreiheit in ihrer Ausgestaltung als Abwesenheit religiöser Äußerungen an staatlichen Schulen und die Bereitschaft der hessischen Landesregierung, „großzügig“ über die Rechte religionskritischer Bürgerinnen und Bürger hinwegzugehen. Dabei hat jeder nach dem Grundgesetz das Recht, an staatlichen Einrichtungen von religiösen Aktivitäten unbehelligt zu bleiben. Vielmehr ist der Staat zu strikter weltanschaulicher Neutralität verpflichtet.
Die Diskussion über all diese Punkte kann im Blog von Jens Bertrams weiter verfolgt und auch mit eigenen Beiträgen fortgeführt werden. Interessierte finden die Debatte unter:
www.blog.jens-bertrams.de/2006/10/13/152

Franz-Josef Hanke

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