8/13: HU trauert um Rolf Schwendter – Leuchtfeuer-Preisträger am Sonntag in Wien gestorben

dp – 23.07.2013

Prof. Dr. Dr. Dr. Rolf Schwendter bei der Preisverleihung im Juni 2008
Langbeschreibung für dieses Bild anzeigen

Die Humanistische Union (HU) trauert um Prof. Dr. Dr. Dr. Rolf Schwendter. Der Träger des Marburger Leuchtfeuers für Soziale Bürgerrechte ist am Sonntag (21. Juli) in Wien gestorben.

„In Prof. Dr. Dr. Dr. Rolf Schwendter sieht die Jury einen Humanisten, der eine menschlicher ausgerichtete Gesellschaft nicht nur angestrebt, sondern selber schon gelebt hat.“ In ihrer Preisbegründung für das Marburger Leuchtfeuer 2008 fuhr die Jury fort: “ Die Wirkung seines unglaublich facettenreichen Lebens in Gestalt vieler aktiver Gruppen, Bücher und Projekte – besteht bis heute fort.“

Einen Namen gemacht hat sich der unorthodoxe Denker als Liedermacher, Literaturwissenschaftler, Devianzforscher und geistiger Vater der „Alternativbewegung“ der 70er und 80er Jahre. Auf ihn gehen „Selbstverwaltete Kollektivbetriebe“ ebenso zurück wie die Gesundheitsläden oder Selbstorganisation psychisch kranker und behinderter Menschen.

An den legendären Liedermachertreffen auf der Burg Waldeck hat Schwendter von Anfang an teilgenommen. Er war Mitbegründer des Mainzer Open-Ohr-Festivals, des Wiener Lesetheaters, Vorsitzender der Grazer Autorenvereinigung in Nachfolge von Ernst Jandl sowie Präsident der Internationalen Erich-Fried-Gesellschaft.

Schwendter wurde 1939 in Wien als Rudolf Scheßwendter geboren. Sein Leben entzog sich jeglicher Schablone. Nicht zuletzt deswegen widmete er sich an der Universität Kassel der Erforschung von abweichendem Verhalten.

Oft wurde der Hochschulprofessor wegen seines ungewöhnlichen Auftretens für einen „Obdachlosen“ gehalten. Als ein Student ihn vom Bahnhof abholen sollte, kehrte er unverrichteter Dinge wieder zurück mit der Begründung: „Da war kein Professor; da saß nur ein Penner mit Plastiktüten.“

In der Preisbegründung bezeichnete die Jury Schwendter als „intellektuellen Zehnkämpfer“. Sein Wirken in vollkommen unterschiedlichen Bereichen reichte von theoretischen Abhandlungen über ökonomische Themen oder die Subkultur bis hin zu Kochbüchern.

„Unseres Wissens war das Marburger Leuchtfeuer die einzige Auszeichnung, die Schwendter je erhalten hat“, stellte der Marburger HU-Vorsitzende Franz-Josef Hanke bedauernd fest. „Dabei hat er den Alltag dieser Gesellschaft, ihre Kultur, die Behindertenbewegung oder den Umgang mit psychisch Kranken nachhaltig beeinflusst. Rolf Schwendter war einer der letzten großen Universalgelehrten, der dabei jedoch so bescheiden und unorthodox auftrat, dass viele ihn völlig verkannt haben.“

Nach dem Tod von Käte Dinnebier im Jahr 2010 und von Prof. Dr. Dr. Horst-Eberhard Richtr im Jahr 2011 verliert die HU mit Schwendter nun den dritten der bislang neun Preisträger des Marburger Leuchtfeuers. Für Hanke ist aber klar: „Ebenso wie Käte Dinnebier und Horst-Eberhard Richter wird auch Rolf Schwendter bleibende Spuren hinterlassen.“

Dragan Pavlovic

Über dp

Pressesprecher der HU Marburg

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*

*