pm 15/05: Ehre, wem Ehre gebührt! – HU protestierte gegen Neonazi-Losung

Mit einer Mahnwache haben Mitglieder und Freunde der Humanistischen Union (HU) am Montag (1. August) in Marburg gegen die Verharmlosung neofaschistischer Umtriebe protestiert. Mit einem Plakat hatten sie sich am Schuhmarkt vor der ehemaligen Dienststelle der Geheimen Staatspolizei (GeStaPo) aufgestellt. Zu lesen war darauf die Frage: „Ist massenhafter Mord ruhmreich und ehrenvoll?“
Die Losung „Ruhm und Ehre der Waffen-SS“ hatte der Bundesgerichtshof (BGH) am Donnerstag (28. Juli) als nicht strafwürdig eingestuft. Mitglieder eines neofaschistischen Netzwerks hatten sie als Grußformel benutzt. Da sie nicht mit Formeln aus der Nazi-Zeit verwechselt werden könne, hielten die obersten deutschen Strafrichter diesen Spruch für nicht strafbar.
In diesem Urteil sieht der HU-Ortsverband Marburg ein fatales Signal. Die Bürgerrechtler befürchten, dass sich neofaschistische Personen und Gruppen nun ermutigt fühlen könnten, die Verbrechen der Waffen-SS als „ruhmreich und ehrenhaft“ zu bezeichnen. Das käme nach Auffassung der HU der Holocaust-Leugnung sehr nahe.
Ein gutes Dutzend Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten sich deshalb an der Reitgasse postiert. Sie hielten das Plakat mit der vom BGH beurteilten Losung und diskutierten darüber mit vorbeigehenden Passanten. Eine Stunde lang standen sie so auf dem Platz vor der einstigen GeStaPo-Zentrale.
Während dieser Zeit zog eine Gruppe Jugendlicher in Kleidungsstücken vorüber, die eindeutig nationalsozialistische Symbolik zeigten. Es handelte sich dabei nicht nur um die Farben schwarz-weiß-rot, sondern auch um eine verfremdete SS-Rune. Sie stammte aus dem Logo der „Skinheads Sächsische Schweiz“. Diese Organisation wurde zwischenzeitlich als verfassungsfeindlich verboten.
Ein Wiedererstarken neofaschistischer Umtriebe will die HU nicht tatenlos hinnehmen. Zahlreiche Passanten äußerten ihre Zustimmung zu der Aktion. Einige stellten sich sogar spontan zu der Mahnwache dazu.
Friedlich, wie es die Organisatoren vorab vereinbart hatten, endete die Mahnwache gegen 14 Uhr. Nicht aufhören sollte nach Überzeugung der HU hingegen die Auseinandersetzung mit der furchtbaren Geschichte des Faschismus. Deswegen hat die HU bewusst an die Verbrechen erinnert, die auch in Marburg unter dem Hakenkreuz begangen worden sind.

Dragan Pavlovic

Über dp

Pressesprecher der HU Marburg

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