pm 8/11: Vordenker und Vorkämpfer des bundesdeutschen Humanismus – HU gratuliert zum 70. Geburtstag von Joachim Kahl

Der Marburger Philosoph Dr. Dr. Joachim Kahl wird am 12. Mai 70 Jahre alt.
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Zum 70. Geburtstag gratuliert die Humanistische Union (HU) ihrem langjährigen Mitstreiter Dr. Dr. Joachim Kahl. Der promovierte Theologe und Philosoph wurde am 12. Mai 1941 in Köln geboren. Seit fast 50 Jahren engagiert er sich in Deutschlands größter und ältester Bürgerrechtsorganisation.

1962 war er Mitbegründer der Humanistischen Studenten-Union (HSU). Als deren Gründungsvorsitzender beeinflusste er bundesweit nicht nur den Aufbau der 1961 gegründeten HU und ihrer Nachwuchsorganisation, sondern indirekt auch die sogenannte „68er Bewegung“. Das jedenfalls zeigen Untersuchungen des Politologen Dr. Alfred Roos, denen zufolge die HU einen wichtigen Einfluss auf die Entwicklung der Studentenbewegung der 60er Jahre gehabt hat.

Große Aufmerksamkeit errang Kahls religionskritisches Hauptwerk „Das Elend des Christentums oder Plädoyer für eine Humanität ohne Gott“. Das 1968 im Rowohlt-Verlag erschienene Buch wurde ins Englische, Japanische, Italienische und Niederländische übersetzt. In mehreren Auflagen – zuletzt 1993 nochmals überarbeitet und erweitert – erreichte es Verkaufszahlen von mehr als 150.000 Exemplaren und galt als Standardwerk der religionskritischen Bewegung.

Eine ablehnende Stellungnahme dazu hat unter anderem der spätere EKD-Ratspräsident Wolfgang Huber veröffentlicht, der in Marburg studiert hat. Kahls atheistische Position hat damals zu heftigen Kontroversen geführt, die den toleranten Umgang mit positiver wie negativer Religionsfreiheit in Deutschland sicherlich beeinflusst haben.

Dem HU-Ortsverband Marburg ist Kahl nach wie vor eng verbunden. Regelmäßig hält er Vorträge über philosophische und religionskritische Themen. Zuletzt hat er am 18. Mai 2010 im Historischen Saal des Marburger Rathauses über „Kurt Tucholskis Briefe an eine Katholikin“ referiert.

Sein humanistischer Ansatz verbietet dem Kirchenkritiker indes eine platte Religionsschelte, die er als „Antitheismus“ kritisiert. Vielmehr setzt sich Kahl nachdrücklich für einen respektvollen Umgang religiöser und religionsfreier Menschen in einem friedlichen Dialog ein.

Als Sprecher des hessischen Berufsverbote-Komitees hat sich Kahl sehr engagiert für Meinungs- und Berufsfreiheit eingesetzt. Außerdem hat er auch in mehreren anderen freigeistigen Organisationen mitgearbeitet.

„Joachim Kahl hat die HU und auch die deutsche Gesellschaft mit geprägt“, stellt der Marburger HU-Ortsvorsitzende Dragan Pavlovic fest. Bei Kahls Geburtstagsfeier am Samstag (14. Mai) wird er dem Jubilar einen Glückwunsch der HU überbringen.

Franz-Josef Hanke

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